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Artikel: Strong Voices Interview #24: Kristine Zeller

Strong Voices Interview #24: Kristine Zeller

Wenn ich durch mein LinkedIn scrolle, gibt es zwei starke Frauen, deren Ratschläge ich aufsauge: Kristine Zeller und Kati Ernst. Mit ihrem Unternehmen ooia setzen sie sich für die Stärkung der Rolle der Frau ein, die weit über Periodenwäsche, absorbierende Slips und Still-BHs hinausgeht. Die beiden gehen mit gutem Beispiel voran und haben ihren eigenen Weg gefunden, Arbeit, Familie und den täglichen Wahnsinn des Lebens unter einen Hut zu bringen, ohne sich auf eine Rolle zu beschränken. Als ich Kristine vor einiger Zeit bei einem Abendessen in Berlin kennenlernte - vielen Dank, Kristina Lunz, und dem CFFP für die Vorstellung (ein Paradebeispiel dafür, wie wunderbar es sein kann, Gleichgesinnte zusammenzubringen!) - Ihr selbstbewusstes Auftreten hat mich sofort beeindruckt. Die Art und Weise, wie sie ooia und sich selbst präsentierte, war klar und stark; ihre Mission und ihr Streben nach weiblichem Empowerment entschlossen. Kristine Zeller ist die Verkörperung einer starken Stimme, und es ist mir eine absolute Freude, ihre Erfahrungen und Tipps mit dir zu teilen. Ein Interview voller Energie, Zielstrebigkeit und der richtigen Art von Motivation, um heute ein kleines bisschen mehr an sich und seine Träume zu glauben.

ÜBER KRISTINE:

Kristine Zeller ist eine leidenschaftliche und klare Führungspersönlichkeit, die jeden Tag ein Beispiel verkörpert, dass Frauen in der Tat in der Lage sind, alles zu tun. Mit einer Karriere in der Modebranche, die sie in Führungspositionen in grossen Online-Modehäusern gebracht hat, hat Kristine Zeller wichtige Abteilungen geleitet und grosse Teams gemanagt. Da sie mit der einschränkenden Unflexibilität der Unternehmensrealität unzufrieden war, die bis heute besteht, insbesondere gegenüber berufstätigen Müttern, gründete sie 2018 Ooia mit. Das in Berlin ansässige Unternehmen konzentriert sich auf das Empowerment von Frauen, den Blick über den Tellerrand (oder sozusagen das Höschen), setzt ein Beispiel dafür, dass Nachhaltigkeit in die Modeindustrie integriert werden kann, und führt den Dialog für eine progressive Zukunft mit mehr Geschlechtervielfalt und Gleichberechtigung fort.

Foto: Jannik Hanne

UNSERE FRAGEN:

Vor der Gründung von ooia warst du über 6 Jahre in führenden Positionen bei Zalando tätig. Wie war der Weg in die Selbstständigkeit für dich? Was waren die grössten Veränderungen und Herausforderungen?

Kati und ich wollten nie unbedingt gründen, waren aber beide unzufrieden mit unserer bisherigen Rolle. Stattdessen hat uns die Idee gefunden. Eine Freundin hat uns damals Periodenunterwäsche gezeigt, die es schon länger in Amerika gab. Wir fanden das Thema Periode super interessant, vor allem im grösseren Zusammenhang mit dem Thema Female Empowerment, welches darübersteht. Sowohl Business Cases als eine genauere Marktanalyse haben viel Potenzial gezeigt und so haben wir uns entschieden, zu kündigen und zu gründen. Die grösste Veränderung ist die Möglichkeit, selbst zu gestalten. Entscheidungen von Kati und mir haben direkte Auswirkungen auf unser Business. Das ist eine sehr grosse Freiheit, die aber mit vielen Pflichten einhergeht. Klar haben wir unser Netzwerk, das wir fragen können. Aber am Ende des Tages müssen wir unsere Entscheidungen selbst treffen und auch Zeug machen, auf das wir keine Lust haben.

Hattet ihr während eurer Gründungsphase Zweifel? Wenn ja, welche und wie habt ihr diese überwunden?

Zweifel hatten wir eigentlich nie. Für uns war das Thema Female Empowerment interessant und wir haben uns gefragt, ob es uns genug begeistert, um die nächsten 10-20 Jahre unsere ganze Arbeit in dessen Dienst stellen zu wollen. Als wir das mit Ja beantwortet und im Business Case das Potential gesehen haben, gab es keine Zweifel mehr. Auch unsere Männer haben uns Rückendeckung gegeben und dann war uns klar, dass wir das machen.

Welches waren deine grössten Learnings bei der Gründung?

Da würde ich mal vier zusammenfassen.

  1. Viele Menschen raten von der Gründung mit einer Freundin ab. Für Kati und mich war das ein Erfolgsfaktor. Wir konnten auf unserer Vertrauensbasis aufbauen, während viele Start-Ups an Streitereien der Gründer:innen scheitern. Ein gemeinsames Verständnis der Werte und der angestrebten Ausrichtung der Firma räumt grosse Konfliktpotenziale beiseite.
  2. Man kann eine Company super bootstrapped aufbauen. Anfangs wollten wir Angels an Bord holen, aber dann erkannt, dass es auch ohne Investoren geht. Das war aufregend, aber hat funktioniert. Es geht nicht immer, aber ich würde raten es zumindest zu versuchen.
  3. Think big. Als wir die Idee hatten, Still-BH’s ins Sortiment aufzunehmen, waren wir uns lange uneinig. Auch wenn ich glaube, dass es anfangs gut ist, mit wenigen Produkten zu starten und diese auszureifen, sollte man früh über das eine Produkt hinausdenken.
  4. Das Netzwerk ist unerlässlich. Wir waren bei der Gründung etwas älter und hatten aus vorherigen Jobs ein grosses Netzwerk: Das hat uns viel geholfen. Es ist sinnvoll, sein Netzwerk zu pflegen, frühzeitig zu erzählen, was man vorhat und viele Kontakte zu knüpfen.

Du und deine Mitbegründerin seid beide Mütter und hattet mit der Selbstständigkeit unter anderem den Wunsch nach einem anspruchsvollen, dennoch flexiblen Job, welcher Karriere und Mama-Da-Sein vereint. Nach nun bereits über 4 erfolgreichen Jahren mit ooia, wie klappt das Vereinen von Familie und Karriere? Wie findest du die richtige Balance?

Ich würde sagen gut. Inzwischen sind meine Kinder älter und selbstständiger. Aber auch wenn sie kleiner sind, ist es machbar. Den Anspruch, dass die Mutter die beste und einzig richtige Kontaktperson ist, halte ich für nicht richtig. Wir hatten früh geklärt, dass ich weiter voll arbeite und wir uns die Verantwortung für die Kinder teilen und uns hierfür auch Verstärkung geholt. Für die richtige Balance ist es wichtig, für sich selbst Zeit zu schaffen. Der Gründerinnen Alltag ist stressig und bedeutet viel Arbeit, weshalb ich mir bereits morgens Zeit für mich nehme. Ich stehe früh auf, meditiere und mache Sport. Dann habe ich ungestört Zeit für mich, bevor mein Tag startet.

Du engagierst dich für das Thema „Female Empowerment“ – auch über eure Brand hinaus. Wo siehst du hier die grössten Probleme, die noch stärker adressiert werden müssen, um Frauen mehr zu stärken?

Ich sehe hier ein strukturelles Problem. Es liegt nie an der einzelnen Frau, sondern an den patriarchalen Machtstrukturen, die in diesem Land stark vorherrschend sind. Das Patriachart fördert Gewalt, dominantes Verhalten von Männern gegenüber Frauen und vieles mehr. Das grösste Ziel ist es eine ehrliche Gleichberechtigung zu schaffen. Auch Folgeprobleme der patriarchalen Strukturen müssen behoben werden. Für Frauen braucht es bessere Strukturen, flexiblere Arbeitszeitmodelle sowie faire und transparente Gehaltsstrukturen, die Männer nicht bevorzugen. Auch die Elternzeit für Männer muss normalisiert werden. Zudem brauchen wir mehr weibliche Vorbilder in Führungspositionen. Auf Instagram erzählen Kati und ich viel über unseren Werdegang, um andere Frauen zu inspirieren und zu ermutigen. Firmen sollten weibliche Führungskräfte mehr hervorheben und Frauenförderprogramme etablieren. Unternehmen sollten auch zu unconscious biases mehr Aufklärungsarbeit leisten. Last but not least die Quoten. Diese sollte es aus freiwilliger Selbstverpflichtung der Unternehmen geben, auch Frauen mehr zu fördern.

Als ihr ooia 2018 gegründet habt, war das Thema „Periodenunterwäsche“ zumindest in Deutschland noch recht unbekannt. Habt ihr hierfür viel Kritik einstecken müssen? Fehlte die Offenheit zu diesem Thema?

Damals gab es in Deutschland noch niemanden. Auch Kritik haben wir nicht bekommen. Im Nachhinein haben einige gesagt, dass sie nicht an unseren Erfolg geglaubt haben. Jetzt bewundern uns viele für das, was wir aufgebaut haben. Man merkt, dass in der Gesellschaft ein Umdenken stattgefunden hat. Anfangs haben wir viele Zuschriften bekommen, ob wir bei den Abbuchungen den Firmennamen verstecken können, weil sich Kundinnen dafür vor ihrem Mann schämen. Solche Anfragen gibt es mittlerweile nicht mehr. Auch wenn die Periode noch immer ein grosses Tabuthema ist, sie ein Stück weit normalisiert.

Mittlerweile gibt es einige Anbieter von Periodenunterwäsche. Habt ihr viel mit Copy Cats zu kämpfen? Wenn ja, wie geht ihr damit um?

Die meisten Anbieter positionieren sich vor allem im Anfangspreissegment. Die Qualität und Arbeitsbedingungen, die uns sehr wichtig sind, reichen nicht an uns heran. Wir sind hier Qualitäts- und mit Abstand Marktführerinnen. Weitere Wettbewerber sind für uns in dem Sinne zuträglich, da sie helfen, das Thema weiter bekannt zu machen. So werden Menschen, die sich mit dem Thema Periodenunterwäsche beschäftigen, früher oder später auf uns aufmerksam und kaufen aufgrund unserer Qualität bei uns.

Wenn du jungen Gründerinnen einen Tipp für den Start eines eigenen Unternehmens geben würdest, welcher wäre das?

Zusätzlich zu den oben genannten Learnings aus der Gründungsphase, würde ich Frauen immer raten, grösser zu denken. Frauen gründen vor allem Einzelunternehmen. Aber was ist, wenn man selbst die wichtigste Arbeitskraft in seinem Unternehmen ist und Kinder kriegen will? Macht das nicht vielleicht Sinn, ein E-Commerce-Unternehmen aufzubauen, das ohne einen weiterläuft? Es gilt: go for it – es ist die beste Zeit für Frauen zu gründen. Venture Capital Lists sind gerade sehr stark daran interessiert Frauen zu fördern. The Time is now.

Die Begegnung mit Kristine ist eine inspirierende Erfahrung, denn ihre unerschütterliche Mission und ihr Streben nach der Stärkung der Rolle der Frau hinterlassen einen bleibenden Eindruck bei den Menschen in ihrem Umfeld.

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