Starke Stimmen Interview #15: Tilla Theus – Architektin & Inhaberin von „Tilla Theus & Partner AG“

In unserer zweiten StrongVoices-Ausgabe im Jahr 2022 hatten wir die Gelegenheit, einen Einblick in das Architekturgeschäft zu bekommen, als wir mit Tilla Theus, einer bekannten Architektin in der Schweiz, sprachen. Sei aufgeregt!

 

ÜBER TILLA THEUS:

Tilla Theus ist eine Schweizer Architektin, die nach ihrem Architekturstudium an der ETH Zürich seit 1969 ihr eigenes Architekturbüro besitzt. Bis heute firmiert ihr Architekturbüro unter dem Namen „Tilla Theus & Partners AG“ und beschäftigt rund 15 weitere Architekten. Tilla Theus selbst ist spezialisiert auf die Planung und Realisierung von Neubauten in anspruchsvollen städtebaulichen Kontexten, den Umbau und die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude sowie Innenarchitektur und Innenarchitektur.   

„Bleib neugierig, mach weiter und lass dir von Rückschlägen nicht deine Leidenschaft nehmen. Denn Leidenschaft ist das, was es braucht, um voranzukommen.“ Tilla Theus

UNSERE FRAGEN:

Sie haben sich direkt nach Ihrem Abschluss 1969 als Architekten selbstständig gemacht, warum haben Sie sich dafür entschieden und war für Sie schon immer klar, dass Sie sich selbstständig machen wollen?

Bereits einen Tag nach dem Abschluss hatte ich mein Architekturbüro gegründet. Als wir kurz darauf unseren ersten Wettbewerb gewannen und dieser auch umgesetzt wurde, stellte sich für mich die Frage, woanders zu arbeiten, endgültig nicht mehr. Damals war allerdings alles noch ein bisschen einfacher als heute – sogar den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Ihr Architekturbüro besteht nun seit über 50 Jahren, was hat sich im Laufe der Zeit verändert? Was ist einfacher und schwieriger geworden und welche Herausforderungen gab es? Wie haben Sie sich Ihre Leidenschaft für Architektur bewahrt?

Früher konnte man sein Büro mit einem Schreibtisch, etwas Pauspapier und einem Bleistift einrichten. Heute braucht man technische Hilfsmittel und Netzwerke, um gemeinsam im Netzwerk planen zu können. Aber die wichtigste Eigenschaft, die man braucht, um in der Architektur über Jahrzehnte zu bestehen, ist gleich geblieben – das ist Neugier. Das treibt mich noch heute an, verbunden mit der Leidenschaft für meinen Beruf. Ich sage immer: „Wir Architekten haben Glück, wir können unseren Familien zeigen, was wir entwickelt und gebaut haben“. Andere Berufe können das kaum. Wir hingegen können unsere Gebäude besichtigen, wir können darin wohnen. Das ist eine Qualität, die immer wieder wahre Freude bereitet – zu sehen, wie sich Ihre Vision, etwas, das Sie auf dem Papier entworfen haben, entwickelt, bis es schließlich in der Realität vor Ihnen steht. Diese Freude und Erfüllung sehe ich auch in meinem Team – wenn sie unsere Gebäude besuchen.

Welche Erfahrungen haben Sie als Frau in einem eher männerdominierten Bereich gemacht?

Aus meiner Sicht gibt es keine männliche oder weibliche Architektur – es gibt nur gute und schlechte Architektur. Ob Mann oder Frau – vielleicht unterscheidet sich die Herangehensweise, aber der Qualitätsbegriff kennt keinen Unterschied. Ich wollte mein Leben lang keine Einfamilienhäuser bauen, um Einfamilienhäuser zu bauen. Schließlich hatte ich denselben Abschluss wie meine Kollegen. Sie wollten öffentliche Bauten realisieren – ich auch! Deshalb haben wir auch an öffentlichen Wettbewerben mitgearbeitet und so ist unser erstes Projekt, das Altersheim in Mollis, entstanden. Ein bahnbrechender Anfang für meine Arbeit.

Welche Faktoren haben Sie auf Ihrem Karriereweg motiviert? Wie haben Sie es geschafft, Rückschläge zu überwinden (falls Sie welche erlebt haben)?

Auf jedem Karriereweg gibt es viel Positives, viel Negatives und sicherlich auch Rückschläge. So mussten für das Projekt Hotel Widder 16 Baugesuche eingereicht werden. Jedes Mal, wenn während der Bauarbeiten ein archäologischer Fund gemacht wurde, führte dies zu neuen Änderungen und Verzögerungen. Ein großer Teil des Teams dachte „jetzt kann ich das nicht mehr“, und ich sagte mir, wenn ich schon so viele Revisionen entwickelt habe, dann werde ich wohl auch diese letzte meistern. Immerhin waren es 16!

Haben Sie ein „Mantra“, das Sie während Ihrer gesamten Karriere geleitet hat?

Ich habe kein Mantra. Generell gilt: Geduld mitbringen und weiter suchen. Mein Professor hat immer gesagt: „Der Tag hat 24 Stunden“. Ob eine Runde mehr oder weniger – die Woche hat 7 Tage.

Was hilft Ihnen, Ihr Privat- und Geschäftsleben in Einklang zu bringen?

Ich bin ein „häuslicher“ Typ – ich verbringe Zeit mit Familie und Freunden, besuche Ausstellungen und finde so den nötigen Ausgleich zu meiner Arbeit. Aber es erfordert immer noch viel Verständnis von Familie und Freunden und ist ein ständiger Balanceakt.

Was würden Sie jungen Frauen/Gründerinnen raten, die am Anfang ihrer Karriere stehen? Welchen Rat hätten Sie sich damals gewünscht?

Bleiben Sie neugierig, machen Sie weiter und lassen Sie sich von Rückschlägen nicht Ihre Leidenschaft nehmen. Denn Leidenschaft ist das, was es braucht, um voranzukommen.